MARITIME MEILE
 KULTUR & GENUSS AM FLUSS

Das Schiffbauzentrum

Durch den Bau des Vegesacker Hafens (1623) siedelten sich erste Schiffbaubetriebe an.
Durch die guten Handelsbeziehungen Bremens zu den Vereinigten Staaten von Amerika (gegründet 1776) entstand ein wahrer Schiffbauboom an der Unterweser. Auch in Vegesack wurden deshalb neue Werften gegründet.

Gebaut wurden überwiegend hölzerne Segelschiffe mit 2 bis 3 Masten. An der Weser setzte Mitte des 19. Jh. der Wandel vom Holz- zum Eisenschiffbau ein. Nicht alle Werften überstanden die teure Umstellung unbeschadet.

Der Einstieg in den industriellen Großschiffbau erfolgte ab 1893 durch den Bremer Vulkan. Diese Großwerft prägte über hundert Jahre das Stadtbild und war der größte Arbeitgeber in der Region. 1997 wurde der Betrieb eingestellt.

Doch nicht nur in Vegesack wurde Boots- und Schiffbau betrieben, sondern auch auf der gegenüberliegenden Weserseite in Lemwerder.  Dort wurden auf kleinen Werften Arbeits-, Ruder- und Segelboote aus Holz gebaut.

Noch heute ist der Schiffbau durch die Werften Abeking & Rasmussen, Lürssen und Fassmer, auch aufgrund der großen Anzahl ihrer Zulieferbetriebe, von erheblicher Bedeutung für die Region (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

 

Schiffbau auf der Lürssen-Werft

Werftstandorte

A. Bereich Bremer Vulkan:
1834-1859    Steenken
1838-1883    H.F. Ulrichs
1883-1891    Bremer Schiffsbaugesellschaft, vormals H.F. Ulrichs
1891-1895    Bremer Schiffsbaugesellschaft
1895-1997    Bremer Vulkan
Ab 1997       Lürssen, BBV

B. Bereich Strandlust:
1771-1802    Johann Jantzen
1802-1810    Peter Jantzen
1814-1841    Jürgen Sager
1841-1869    Peter Sager

C. Bereich Hafen:
1639-1720    Cord Cöper
1805-1893    Johann Lange
1893-1895    Bremer Vulkan
1904-heute   Lürssen 

D. Grohn:
1852-1853    Lamcken
1859-1863    Augener & Co.

E. Lemwerder:
seit 1907    Abeking & Rasmussen
seit 1934    Lürssen

(Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

Yachten vor der Werft Abeking & Rasmussen

 

 

Die "Azzam", 2013 bei der Lürssen-Werft vom Stapel gelaufen, ist mit 180 Meter die derzeit (2016) längste Privatyacht der Welt.

 

 

Alter Speicher - Ein Platz mit großer Schiffbautradition

Wechselnde Besitzer

Cord Cöper und sein Sohn betrieben als erste Schiffbauer eine Werft auf diesem Gelände (1639 – 1720). Allerdings durften sie nur Instandsetzungsarbeiten durchführen.

Nach dem Verkauf verfielen die Einrichtungen (1720 - 1726).
Hinrich Wehmann erwarb den Platz und Johann Claußen errichtete hier wieder eine Werft (1726 - 1780). Sie bekamen erstmals eine Schiffbaugenehmigung außerhalb des Stadtbremischen Gebietes (für Kähne und platte Schiffe).
Anschließend wurde die Schiffbauanlage vom Bremer Kaufmann Gottfried Joachim Schröder übernommen. Nun wurden auch größere Schiffe gebaut (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Helmrich Klingmüller).

Die Einfahrt in den Vegesacker Hafen

Johann Lange

Der gelernte Schiffbauer Johann Lange (1775 - 1844) gründete eine überregional bedeutende Werft (1805 - 1893) auf diesem Gebiet. Vermutlich entstand in dieser Zeit auch der Hafenspeicher (um 1814).
Der Werftbesitzer war seiner Zeit voraus und leitete viele Innovationen ein:
Er baute zum Beispiel eines der ersten Dampfschiffe in Deutschland, den Raddampfer DIE WESER.
Nach dem Tod von Johann führte seine Frau Anna Lange mit den beiden Söhnen Johann und Carl die Geschäfte weiter.
Auf der Lange Werft wurden insgesamt 323 Schiffe gebaut (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Helmrich Klingmüller).

Johann Lange (1775 - 1844)

Bremer Vulkan

Ab etwa 1870 wurde vermehrt Metall (Eisen, später Stahl) als Baustoff für Schiffe eingesetzt. Das Material war deutlich robuster für die immer größer werdenden Neubauten.
Nach dem Tod von Carl Lange (sein Bruder Johann schied schon 1857 aus der Firma aus) wurde Viktor Nawatzki als Werftleiter eingesetzt. Er erkannte den großen Bedarf an stählernen Dampfschiffen und richtete die Werft danach aus.
Den hohen Kapitalbedarf deckte er durch die Gründung einer Aktiengesellschaft, der Bremer Vulkan, Schiffbau & Maschinenfabrik (1893).
Zwei Jahre später wurde die Werft an den Fährer Löschplatz verlegt, weil dort mehr Platz für größere Neubauten vorhanden war.
Fortan nutzte die Vegesacker Fischereigesellschaft das ehemalige Werftgelände (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Helmrich Klingmüller).

Bremer Vulkan (1995)

Lürssen

Die Lürssen Werft entstand aus einer kleinen Bootsbauerei. Friedrich Lürßen (1851 - 1916) gründete sie 1875 landeinwärts in Aumund.
Die fertigen Boote mussten aus dem Landesinneren mit Wagen zum Wasser gebracht werden. Daraus folgten große Schwierigkeiten beim Transport insbesondere von größeren Booten. Deshalb pachtete der Werftinhaber 1904 ein Grundstück am Vegesacker Hafen.
Die Werft entwickelte sich schnell zu einem der führenden Hersteller von Motorbooten: Rennboote, Rettungsboote, Marineschiffe und Luxusjachten.

In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts dehnte sich die Werft auf die gegenüberliegende Weserseite aus, um weiter expandieren zu können. Ab 1972 wurde schrittweise die gesamte Produktion dorthin verlegt.
Das Hauptverwaltungsgebäude befindet sich immer noch im Vegesacker Hafengebiet (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Helmrich Klingmüller).

Die Lürssenwerft bei Nacht

Flüsse

Weser

Der Flußlauf der  Weser prägt die Region und bestimmt, zusammen mit der zufließenden Lesum,  das Landschaftsbild von Bremen-Vegesack. Ihren Namen trägt die Weser  ab Hannoversch Münden, wo die  beiden Quellflüsse, Werra und Fulda, „sich küssen“. Bei Bremerhaven weitet sich die Weser und mündet als Außenweser  in die Nordsee.
Die Weser ist ein uralter Schiffahrtsweg und ist auch heute  in ganzer Länge Bundeswasser-straße; sie dient der See- und Binnenschiffahrt. Die Weser war in früheren Zeiten aber ein breiter ,wilder Flußlauf, der zu Sommerzeiten stark versandete und im Winter viel Eis mit sich brachte. Die Weserversandung war auch der Auslöser für den Bau der Häfen in Vegesack ( ca.1620 ) und später für die Gründung Bremerhavens ( ca. 1830 ), denn die immer größer werdenden Schiffe konnten die Hansestadt nicht mehr erreichen. Erst mit  der sog. Weserkorrektion ( 1887 – 1895 ) durch Ludwig Franzius  bekam der Fluß ein verändertes und mit zunächst 5m Tiefe befahrbares Bett.
Grundidee der Weserkorrektion war, das Flußbett so zu gestalten,daß durch den Flut- und Ebbstrom eine Selbstreinigung erfolgen konnte. Um dies zu erreichen, mußte die Strömungsgeschwindigkeit durch Begradigung  des Fußlaufes und die Beseitigung von  Nebenarmen  und Inseln  erhöht werden. Für Vegesack bedeutete die Weserkorrektion Landgewinn: die sogenannte Vegesacker Kurve wurde neu gestaltet. Vor dem Hohen Ufer wurde hierzu Sand aufgeschwemmt, es entstand  das Gelände für den späteren Stadtgarten.
Mit  weiteren Einspundungen in den 1970-er Jahren wurde die Weser auf eine  Tiefe von  heute  9.5 m ausgegebaut, mit der Folge, daß Ebbe und Flut schneller fließen und der Tidenhub enorm zunahm. In Vegesack gibt es auf den Flächen vor dem Deich ( z.B.Stadt- garten und Utkiek ) alljährlich im Winter Überschwemmungen ,....und das Wasser soll noch weiter steigen!
Insgesamt fließt die Weser auf einer Länge von 52,7 km durch das Land Bremen, davon 41,7 km auf dem bremischen und 11 km auf dem Stadtgebiet Bremerhavens (vgl. Statistisches Landesamt Bremen: Bremen in Zahlen 2010, S. 5).
Das rechte Weserufer in Vegesack kann man  sicher heute noch als eines der schönsten in Bremen, wenn nicht gar in Norddeutschland, bezeichnen. Bereits 1841 schrieb der berühmte Friedrich Engels auf einer Dampferfahrt von Bremen nach Bremerhaven folgendes:
„Gleich hinter Vegesack (gemeint ist der Hafen ) versucht das Sandmeer wirklich, bedeutende Wellen zu schlagen, und senkt sich ziemlich steil in die Weser hinein . Hier liegen die Villen der Bremer Aristokraten, deren Anlagen  das Weserufer eine kleine Strecke hin wirklich sehr verschönern. Dann freilich kommt wieder die alte Langeweile.“
( Ch.Steuer und MTV Nautilus..., s.o. )

 

Die Bedeutung der Weser als Seeschifffahrtsstraße

Seeschiffe auf der Weser wurden erstmalig im Jahr 1057 urkundlich erwähnt. Überliefert ist ferner, dass die Wikinger Liegeplätze im Mündungsbereich der Lesum als Ausgangspunkt für ihre Beutezüge nutzten.
Bis ins Mittelalter prägten Koggen, ein spezielles Handelsschiff, das Bild. Die zunehmende Versandung der Weser hatte jedoch zur Folge, dass nur noch kleinere Schiffe bis zur Stadt Bremen fahren konnten. Dies änderte sich erst durch die Weserkorrektion ab 1892.
Die größten Schiffe, die Vegesack jemals passierten, waren die Tankerneubauten der Großwerft AG Weser. Diese Giganten wurden in den 1970er Jahren erbaut. Sie waren rund 370 m lang, 64 m breit und ihre Tragfähigkeit betrug bis zu 393.000 t.
Heute fahren vor allem große Massengutschiffe an Vegesack vorbei. Sie beliefern die Kraftwerke und das Stahlwerk in der Nähe von Bremen.
Außerdem sind Schiffe für besonders sperrige Ladung zu sehen, auf die sich der Stadtbremer Hafen spezialisiert hat (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

Blick auf den Utkiek und die Weser

Lesum

Die Lesum ist eigentlich der zweitkürzeste Fluß der ganzen Republik. Er trägt seinen Namen nur zehn Kilometern lang. Aber er entsteht aus der 118 km langen Wümme und der 48 km langen Hamme unterhalb des niedersächsischen Ortes Ritterhude und mündet in  Vegesack in die Weser. Würde man Wümme und Lesum als durchgehenden Flusslauf betrachten, so hätte dieser immerhin eine Länge von 128 Kilometern. Spürbar ist dies an der enormen Breite der Lesum, die auch in früheren Zeiten große Bedeutung als Schiffahrtsweg hatte. Vor allem galt das für die Erschließung der weiten Moorgebiete , z.B. dem  Teufelsmoor,  und für den Transport von Torf zu den Siedlungen an der Weser. An der Hamme liegt übrigens auch das Künstlerdorf Worpswede und es gibt einen regelmäßigen Personen -Schiffsverkehr von Vegesack aus dorthin (Tagesausflug ab Anleger Vegesack). Ebenso wie die untere Wümme hat die Lesum ökologisch wertvolle Schilfgürtel, die weitgehend unter Landschaftsschutz stehen.


Hier am Lesumufer hat die Gräfin Emma, die der Legende nach den Bremern den Bürgerpark schenkte, um das Jahr 1000 ihre letzten Jahre verbracht und das „Hohe Ufer“ der Lesum war im 19.Jahrhundert ein beliebter Ort für den Bau von Landsitzen und Villen durch Bremer Kaufleute. Die bekanntesten Namen unter Ihnen sind  Baron Knoop, Melchers  und Kulenkampff. Noch heute zählen die Gärten dieser Familien zu einer der schönsten Parkanlagen von ganz Bremen: „Knoops Park“.

Wo die Lesum Vegesack erreicht liegt der Ortsteil Grohn mit einem großen Yachthafen und an der Mündung befindet sich  das „Havenhöft“ mit einer Wohnanlage direkt am Ufer, das „Schulschiff Deutschland“ und der alte Lange`sche  Speicher.

(Ch.Steuer)

 

 

 

Aue

Der Vegesacker Hafen entstand aber nicht an der Lesum, sondern in einer Bucht gleich nebenan, gebildet von der Aue, ein „Sack“, in den der Wind alles hinein“fegte“; nun ja, daraus (aber auch anders....) kann man den Namen dieses schönen Ortes ableiten. 

Die Schönebecker Aue kommt aus der „Bremer Schweiz“ und fließt durch die  Niederungs-wiesen rund um das Schloss Schönebeck. Hier prägt sie das nach ihr benannte Auetal, das ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Bevölkerung Bremen-Nords ist. Beim Schloß ist  die Aue zu einem Teich aufgestaut, der einerseits das alte Bauwerk der Herren „von der Borch“ umgibt, andererseits einer  Wassermühle als Mühlteich diente. An der alten Wassermühle ist noch heute ein Stauwehr vorhanden, das den Wasserstand im Schlossteich reguliert.
Unterhalb des Wehres fließt die Aue zunächst noch ein Stück durch ein Wiesengebiet, bevor sie innerhalb von Wohngebieten von der A 270 und der Uhthoffstraße überquert wird und am Bahnhof Bremen-Vegesack schließlich  unter dem Vegesacker Bahnhofsplatz hindurch zum neu gestalteten Vegesacker Hafen gelangt.


In diesem Streckenabschnitt  gibt es einen interessanten Wanderweg entlang der Aue, der vor dem Schloß in einem natürlichen Wiesengelände verläuft und weiter in die Landschaft der „Bremer Schweiz“ führt. Ein Besuch des Schlosses mit seinem sehenswerten Heimat-museum der Vegesacker Geschichte ist zu empfehlen.

(Ch.Steuer)

Die Lesum

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