MARITIME MEILE
 KULTUR & GENUSS AM FLUSS

Anfänge des Vegesacker Hafens

Bereits vor dem Hafenbau dienten die Lesummündung und das Aumunder Tief als natürlicher Hafen. Im Spätherbst und Winter bot das Gebiet Schutz vor Stürmen und Eisgang.
Ende des 16. Jh. konnten Handelsschiffe mit größerem Tiefgang nicht mehr bis nach Bremen segeln, weil die Weser so stark versandet war.
Deshalb wurde von 1619 bis 1623 der Vegesacker Hafen gebaut, denn hier war die Weser noch tief genug für die Seeschiffe.
Es war der erste künstliche Hafen in Deutschland.

Mitte des 17. Jahrhunderts lagen während der Winterzeit rund 50 bis 60 Schiffe im Hafen. Das Gelände wurde bereits für Schiffsreparaturen genutzt, u.a. für das Kalfatern, also das Abdichten der Nähte zwischen den Schiffsplanken.
Der Neubau von Schiffen war jedoch untersagt, um den regulären Hafenbetrieb nicht zu stören (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Helmrich Klingmüller und Egbert Heiß).

 

Das Havenhaus von 1648 nutzte der Hafenmeister als Dienst- und Wohngebäude. Er war der oberste Wächter des Hafens und für die Einnahmen aus den Lösch- und Liegeplatzgebühren zuständig. Er hatte aber auch polizeiliche Aufgaben, damit das Be- und Entladen der Handelsschiffe zügig und ohne Zwischenfälle abgewickelt werden konnte (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Birgit Benke).

Der Vegesacker Hafen

Walfang

Anfang des 17. Jahrhunderts begann die Jagd auf Wale in arktischen Gewässern unter bremischer Flagge. Zwischen 1723 und 1725 erreichte sie ihren Höhepunkt: Jährlich begaben sich 25 Walfangschiffe auf die lange Reise (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Birgit Benke).

Alte Hafenstraße

Vom Utkiek führt die Alte Hafenstraße in die Vegesacker Innenstadt.
Die Hafenstraße entwickelte sich seit der Gründung des Vegesacker Hafens (1623) schnell zum betriebsamen Mittelpunkt des Ortes.
Der zunehmende Handel im Hafen und die umliegenden Werften zogen Zulieferbetriebe an: Lagerhäuser wurden gebaut, Schiffsausrüster und Segelmacher waren hier beheimatet. Es entstanden Geschäfte für Kolonialwaren, Zigarren und Schlachtereien.
Die Seeleute ließen ihr Geld oft in einer der 16 Kneipen in Vegesack. Fünf davon schenkten ihr Bier in der Hafenstraße aus (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Birgit Benke).

Die Skulptur Walflosse in Wellen des Künstlers Uwe Häßler

Größte Heringsflotte Europas

An der Lesumkaje stapelten sich die Kantjes (Heringsfässer) zu großen Pyramiden.
Die Bremen-Vegesacker Fischerei-Gesellschaft (seit 1895) war zeitweise mit 68 Loggern und 1200 Mann Besatzung die größte Fischereiflotte Europas.

Die harte und oft gefährliche Arbeit auf See und der schwere Arbeitsalltag der Frauen bei der Fischverarbeitung an Land prägten das Leben in Grohn und Vegesack.
Die Heringsbestände nahmen - auch durch die Überfischung der großen Fangflotten -  beständig ab, sodass 1969 die Ära der Vegesacker Heringsfischerei beendet wurde (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Egbert Heiß).

 

Vom Naturhafen zum modernen Schiffbau - Fährer Löschplatz

Fährer Löschplatz

Im Zuge der Weserkorrektion im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde Land an das Vegesacker Ufer aufgespült und durch ein Bollwerk gesichert. Durch die Befestigung konnten hier Schiffe anlegen und gelöscht (entladen) werden. So entstand der Name Fährer Löschplatz (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

 

Fährgrund

Als Fährgrund wurde eine 800 m und bis zu 15 m tiefe Schlucht bezeichnet, die von der Weser in das Landesinnere führte. Der steile Abhang machte eine Überquerung unmöglich. Während starker Regenfälle und der Schneeschmelze floss ein Wildbach die Schlucht herab.
Die natürliche Einbuchtung an der Mündung diente kleinen Schiffen als Hafen.
1919 beschloss die Stadt Vegesack den Fährgrund zuzuschütten (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

 

Ochsenweg

Ihren Fleischbedarf konnten viele westeuropäische Städte nur durch den Ankauf von Lebendvieh decken. Die Ochsen kamen vor allem aus Dänemark und wurden zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert über den so genannten „Ochsenweg“ bis nach Holland und in das Rheinland getrieben. Im Gebiet des Fährgrunds überquerten sie mit der Fähre die Weser (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

Heringslogger im Vegesacker Hafen

Schiffbau

Hermann Friedrich Ulrichs, der Sohn eines Bremer Großkaufmannes, errichtete hier 1838 seine eigene Werft. Seine guten familiären Beziehungen bescherten ihm eine gute Auftragslage für den Bau von Großsegelschiffen. Zwei Jahre später dehnte sich die Werft auf das Gebiet des angrenzenden Königreichs Hannover aus.
Nach dem Tod des Werftgründers (1865) führte sein Sohn Carl die Geschäfte in Vegesack fort. Als er 1883 verstarb, wurde die Werft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
1894 übernahm die „Bremer Vulkan, Schiffbau & Maschinenfabrik“ den Betrieb und entwickelte sich bis zu ihrer Insolvenz (1996) zum größten Arbeitgeber der Region. Noch heute ist der Werfteingang mit seinen markanten Häuschen erhalten (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

 

 

Abwrackwerft

Nach der Umwandlung der Ulrichs-Werft in eine Aktiengesellschaft (1883) wurde nur noch ein Teil des Geländes genutzt. Auf der brachliegenden Seite siedelte sich zwischenzeitlich die Abwrackwerft Schweitzer & Oppler (1888 bis 1903) an, bis das Unternehmen auf die gegenüberliegende Weserseite verlagert wurde (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

 

Wassersportverein

Fast 50 Jahre lang (1928 - 1977) prägte der Wassersportverein Aumund mit seinen Bootsschuppen, dem Clubhaus und der Steganlage dieses Gebiet. Vor allem an den Wochenenden belebten die Ruder- und Segelboote die Weser (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

Das Trockendock der Lürssen Werft an der Wasserseite des Geländes der ehemaligen Vulkan Werft

Die aktuelle Entwicklung Vegesacks

In einer durch Werften und Industrie geprägten Zeit des der Aufschwungs (1950-er bis 70-er Jahre), wurde Vegesack als Mittelzentrum (Einzelhandel und Dienstleistungen) gefördert und umgebaut, die relative Selbständigkeit und wirtschaftliche Kraft gingen allerdings in dem allgemeinen Strukturwandel ab den 1990-er Jahren verloren. Der schlimmste Einschnitt war dabei sicher der Niedergang des „Bremer Vulkan“.

Heute wirbt Vegesack, wie viele andere mittlere Städte, um Kunden und Touristen. Das Zentrum dieser Anstrengungen sind der Vegesacker Hafen und seine unmittelbare Umgebung. Der erneute Hafenumbau, die moderne Knick-Klappbrücke (2000), Nautilus- und Hafenmeisterhaus sowie die Erhaltung und Aktivierung des sog. Lange´schen Speichers zu einem werftgeschichtlichen Museum sind weitere Schritte (Quelle: Ch. Steuer für: Tag des offenen Denkmals, 12. September 2010, „Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr).

Eines der wichtigsten Ziele ist der wirtschaftliche Aufschwung Vegesacks als Mittelzentrum. Viele private und öffentliche Akteure sind daran beteiligt die Entwicklung Vegesack als Zentrum für Einkauf, Freizeit, Kultur und maritimen Tourismus zu fördern und so die Wirtschaftskraft und damit auch die Lebensqualität des gesamten Bremer Nordens zu stärken. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist die Vermarktung der Maritimen Meile als neue Dachmarke des Vegesacker Tourismus (vgl. Vegesack Marketing e.V.).

Blick auf den Busbahnhof, Haven Höövt und den Museumshafen

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