MARITIME MEILE
 KULTUR & GENUSS AM FLUSS

Der Vegesacker Ruderverein (VRV)

Ein markantes Gebäude an der Promenade ist das ehemalige Bootshaus des Vegesacker Rudervereins (gegründet 1900). Es wird im Volksmund auch “ Papageienhaus“ genannt. Das Gebäude wurde 1927 erbaut und vom Ruderclub bis zu seinem Umzug an die Lesum (1974) genutzt.

Auf der Weser wurde zu dieser Zeit der Rudersport intensiv betrieben. Die Mitglieder des VRV waren und sind in vielen Wettkämpfen erfolgreich, u.a. wurde eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki gewonnen (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

Haus am Wasser/„Papageienhaus“

Hier an der Weserkante war der einmalige aber bescheidene Schauplatz des „Neuen Bauens“ in Bremen-Vegesack. 1926 baute Ernst Becker-Sassenhof (1900-1968) im Garten seiner Schwiegereltern ein ´Wohnhaus im Würfelstil` (Aschenbeck) mit Flachdach. Es stand links vom Haus des Rudervereins (VRV), welches er 1927 erbaute. Das „privilegierte“ Wohnhaus verschwand, während das „Haus am Wasser“ unter intensiver Mitwirkung des Landesamtes für Denkmalpflege vor kurzem in seiner äußeren Form wiederhergestellt wurde. Das Gebäude ist geprägt von der „Neuen Sachlichkeit“ (auch Bauhausstil), klar gegliedert in kräftige kubische Bauteile, symmetrisch angelegt und sauber im Detail.
Ein Glücksfall für Vegesack, der der Heirat Ernst Beckers (aus Essen) mit einer Vegesackerin und der persönlichen Freundschaft mit Dr. Wittgenstein zu verdanken ist. Erst jetzt findet die Architektur der Zwanziger in ihrer ruhigen Ausdrucksweise wieder Beachtung.
(Zitat aus: Vegesack zu Fuß, von Christof Steuer. In: DER AUFBAU, Zeitschrift der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V., Bremen, Dez.1999. S. 14.).

Das Papageienhaus

Strandpromenade

Ursprünglich war das Weserufer nur unterhalb der Strandlust für die Allgemeinheit zugänglich. Anschließend reichten die Gärten der Häuser an der Weserstraße bis ans Wasser. Die Anregung, einen „Lustweg am Wasser“ (Steilen) zu schaffen, konnte erst Bürgermeister Dr. Wittgenstein 1923 umsetzen, als er die Strandstraße anlegen ließ.
Bis heute dauerte es, alle ehemalig privaten Gärten anzukaufen und zu dem breiten öffentlichen Grünzug entlang der Weser zusammenzufassen und zu gestalten.
Er gliedert sich in die streng gefasste Weserpromenade mit der neu gepflanzten Ahornallee, und dem mehr gärtnerisch landschaftlich geprägten Streifen entlang der Hangkante, in der Elemente der alten Gartenanlagen sorgsam integriert wurden.
(Zitat aus: Vegesack zu Fuß, von Christof Steuer in: DER AUFBAU, Zeitschrift der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V., Bremen, Dez.1999. S.14.).

Strandpromenade

Die alte Strandlust

Das Haus ist mehrfach umgebaut worden; heute ist vom alten Gebäude nur noch der Eingang mit Dreiecksgiebel erkennbar und der Turm in allerdings völlig veränderter Form. Mit dem Ausbau des Hotels ist die „Strandlust“ nach wie vor das „erste Haus am Platze“.
(Zitat aus: Vegesack zu Fuß, von Christof Steuer in: DER AUFBAU, Zeitschrift der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V., Bremen, Dez.1999. S.14.).

Die Strandlust um 1909.

Strandlust Vegesack

Die `Strandlust´ wurde vor etwa 100 Jahren an der Stelle gebaut, wo sich ursprünglich die Janssen-Sagersche Werft befunden hatte (1770-1879) und wo durch die Weserkorrektion ein breiter, bebaubarer Streifen entstanden war.
Zurzeit von Peter Jansen und Jürgen Sager wurden berühmte Segelschiffe wie z.B. die Bark „Mentor“ (1807) oder die „Princess Louise“ (1830) gebaut, die berühmte Weltumseglungen unternahmen.
Witwe Sager verkaufte das Werftgelände 1879 für 15.000 Mark an die Vegesacker Sparkasse.
Das „Etablissement“ Strandlust, ein großzügiger Saalbau mit Restaurant und Weserterrasse, war als attraktives Ausflugslokal in „vaterländischem“ Stil errichtet worden und passte in die Zeit der „Weserlustfahrten“, bei denen sich viele Bremer vergnügten.
(Zitat aus: Vegesack zu Fuß, von Christof Steuer in: DER AUFBAU, Zeitschrift der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V., Bremen, Dez.1999. S.14.).

 

Havenhaus

Die Überschüsse aus den Liegegeldern der Schiffe im Vegesacker Hafen waren so gut, dass Vegesack 1648 das Havenhaus baute. Es war zweigeschossig und hatte an der Südseite in jedem Stockwerk sieben Fenster (Quelle: D. Steilen, Geschichte der bremischen Hafenstadt Vegesack, Vegesack 1926).
Das Havenhaus nutzte der Hafenmeister als Dienst- und Wohngebäude. Er war der oberste Wächter des Hafens und für die Einnahmen aus den Lösch- und Liegeplatzgebühren zuständig. Er hatte aber auch polizeiliche Aufgaben, damit das Be- und Entladen der Handelsschiffe zügig und ohne Zwischenfälle abgewickelt werden konnte. Im Jahr 1671 kam als weitere Einnahmequelle eine Schanklizenz hinzu (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Birgit Benke).
Die Einnahmen durch liegende Schiffe wurden immer spärlicher, doch die Gast-Wirtschaft (im Havenhaus) blühte, daher wurde das Havenhaus 1781 völlig umgebaut und vergrößert (Quelle: D. Steilen, Geschichte der bremischen Hafenstadt Vegesack, Vegesack 1926).
Heute ist das Havenhaus nach wie vor ein gastronomischer Betrieb und somit das älteste Bremer Gasthaus (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Birgit Benke).

Die Strandlust Vegesack

Im Laufe der Jahre hat sich die Strandlust stets gewandelt.

 

Alter Hafenspeicher

Johann Lange, der seine Werft 1805 in Bremen-Vegesack gründete, ließ den Speicher vermutlich um 1814 auf seinem Werftgelände errichten. Der Alte Speicher liegt zwischen dem Vegesacker Hafen und der Mündung der Lesum in die Weser. Auf historischen Stadtansichten sticht er durch seine Größe und seine besondere Dachkonstruktion hervor. Nach verschiedenen Eigentümerwechseln konnte der Speicher im Zuge der Neuplanung des gesamten Areals rund um den Vegesacker Hafen 1994 durch die Stadtgemeinde Bremen erworben werden. Zwischen 1995 und 1999 wurde das historische Gebäude aufwendig saniert und im Jahre 1997 unter Denkmalschutz gestellt.

Seilzug-Klappbrücke

Die elegante Seilzug-Klappbrücke ist ein Meilenstein der modernen Stadtentwicklung in Vegesack. Bauherr der Brücke in den Jahren 1999 bis 2000 waren der Senator für Wirtschaft und Häfen sowie die Stave-Stadtentwicklung Vegesack GmbH. Nach anfänglichen Planungen, eine innovative Brücke nach holländischem Vorbild zu errichten, wurde die Fußgängerbrücke von den Architekten des Design Labor Brhv., der ARUP-GmbH und dem Prof. Hilbers, Berlin entworfen. Das Ergebnis ist die neuartige und bisher einmalige Konstruktion einer „Knickklappbrücke“, bestehend aus drei Brückenplattensegmenten mit einem ca. 21,5 m langen, beweglichen Pylon, der in einer tropfenförmig ausgebildeten Öffnung in der Brückenplatte angeordnet ist. Die Brückensegmente bestehen aus einem schlanken Hohlkasten, an dem filigrane organisch gestaltete Querträger angeschlossen sind. Zur Sicherung der Durchfahrt für Schiffe wurde eine gebogene schwimmende Schlängelanlage, befestigt an vier Dalben, installiert (Quelle: Ch. Steuer). Die Fußgängerbrücke führt mit einer Spannweite von 42 Metern über den „Museumshaven“ und ist mit ihrer neuartigen Kniehebeltechnik in Gestalt und Funktion eine international gewürdigte Innovation.

Kaufmanns Villen

Fritze-Villa

In der Weserstraße, gegenüber der Einmündung der Halenbeckstraße, befindet sich die ehemalige Neorenaissance-Villa von Carl Wilhelm August Fritze, später Senator. Das Haus wurde 1875 unter Einbeziehung des Grundstücks von Albrecht Roth, Botaniker und Pflanzenforscher, Inhaber eines großen Gartens, (als botanischer Forschungsraum am Weserhang), erbaut.
Haus und Garten wurden später von der Stadt Vegesack erworben. Der Garten war Kernzelle des später öffentlichen „Stadtgartens“. Dort befindet sich eine Balusterterrasse und schöne Säulengängen.
(Zitat aus: Vegesack zu Fuß, von Christof Steuer in: DER AUFBAU, Zeitschrift der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V., Bremen, Dez.1999. S. 16.).

Der Architekt Heinrich Müller erbaute die Villa im Stil der schlichteren „nordischen Renaissance“ mit unregelmäßigem Grundriss. Hierbei wurde auf eine symmetrische Ordnung weitestgehend verzichtet, stattdessen sollte das Objekt von mehreren Seite eine malerische Ansicht bieten. Die Fassaden sind bis auf die Fensteröffnungen, Gesimse und Eckquader nüchtern gegliedert. Als Augenmerk gilt der Wechsel zwischen den Baumaterialien gelber Vormauerziegel und Sandstein. Nur zur Straße hin, am Eingang und im Hof ist nicht mit Dekoration gespart worden. Die ursprünglich schiefergedeckte steile Mansarddachform im französischen Renaissancestil ist nach einem Brand 1945, heute nur noch bedingt wiederzuerkennen.
(Quelle: ARCHITEKTUR in Bremen und Bremerhaven, Hrsg.: Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen u.a., 1988. S. 154.).

Weitere ehemalige Kaufmannsvillen prägen das Straßenbild der Weserstraße. Die Villen thronen größtenteils oberhalb des Weserhanges, wie u. a. die sog. Lürssen Villa und die Villa Reeder Bischoff.
Die prunkvolle Villa Bischoff wurde in franz. Renaissanceformen nach Entwurf von Klingenberg und Weber aus Oldenburg, 1886/87 für den Reeder Joh. Diedrich Bischoff erbaut. Die Villa beinhaltet ein Argonautenzimmer und restaurierte Innenräume mit Dekorationen des Historismus (Quelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Tag des offenen Denkmals).

 

Kapitäns Häuser

Im 19. Jahrhundert war Bremen-Vegesack ein bevorzugter Wohnsitz für Bremer Schiffsoffiziere. So ist auch heute noch ein Ensemble so genannter Kapitänshäuser in der Weserstraße Nr. 22-32 zwischen der Breite Straße und der Kimmstraße erhalten geblieben. Die ein- bis zweigeschossigen Kapitänshäuser sind dicht gereiht und bis auf wenige Ausnahmen giebelständig. Die leichten Staffelungen der Häuserfronten sind durch einen schrägen Grenzverlauf zu erklären. Ab Mitte des Jahrhunderts wurden die vorher schmucklosen Sichtmauerwerke zu bescheiden klassizistisch dekorierten Putzfassaden umgewandelt. Heute sind immer noch viele architektonischen Details wie zum Beispiel Ziergitter aus der Eisengießerei Uthoff zu bewundern.
(Quelle: ARCHITEKTUR in Bremen und Bremerhaven, Hrsg.: Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen u.a., 1988. S. 153.).

 

Feuerwehr

Das Gebäude der Feuerwehr in der Weserstraße ist im sog. ´Schweizer Stil´ errichtet, der sich außer in der senkrechten Holzverschalung in dem laubsägeartig geschnitzten Giebel deutlich macht. Das Gebäude war ursprünglich das Kutscherhaus von Senator Fritze.

Die Vielfalt unterschiedlich großer, stilistischer vielfältiger Gebäude wird in dem ruhigen Straßenbild der Weserstraße gesammelt, geprägt vom Baumbestand und dem neu hergestellten einheitlichen Straßenpflaster.
(Zitat aus: Vegesack zu Fuß, von Christof Steuer in: DER AUFBAU, Zeitschrift der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V., Bremen, Dez.1999. S.16.).

Veranda der Fritze-Villa

Der Stadtgarten Vegesack

Keimzelle des heutigen sechs Hektar großen Stadtgarten Vegesack war ein botanischer Garten, den der Arzt und bedeutende Botaniker Dr. Albrecht Roth in der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert anlegen ließ. Auf seinem Grundstück am Vegesacker Steilufer pflanzte er zahlreiche Gehölze, darunter viele botanische Raritäten. Ein großer Bereich des ehemaligen botanischen Gartens konnte von der Stadt Vegesack 1929 erworben werden.

Oberhalb des Hanges verläuft die Weserstraße. Bremer Kaufleute, Reeder und Kapitäne errichteten dort repräsentative Villen und Sommersitze. Viele dieser Gebäude sind erhalten geblieben und geben der Straße noch heute eine besondere Atmosphäre (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

Ein großer Teil des auch von Roths Nachbarn gepflanzten wertvollen Gehölzbestandes ist über Jahrzehnte erhalten geblieben. Treppen und Wege wurden in das Hanggelände gebaut, Schmuckbeete mit Rosen und Stauden gestaltet.

Im Rahmen der Weserkorrektion wurde am Vegesacker Ufer Sand aufgeschwemmt und durch Packwerk und Weidebüsche befestigt. Auf dem neu gewonnenen Land legten die Anwohner/innen der Weserstraße ihre Gärten an (Quelle: MTV Nautilus AK Geschichte, Ekkehard Büge).

Für die Bevölkerung zugänglich wurde der Uferbereich erst durch den Bau der Strandstraße im Jahr 1923. So entstand ein neuer Straßenzug entlang des Weserufers als Promenade für die Vegesacker Bürger mit Zugängen über den Stadtgarten hinauf in die Stadt.

Nach und nach kaufte die Stadt Vegesack die einzelnen Grundstücke auf und legte den Stadtgarten an.  Im Jahr 2000 schenkte die Familie Lürssen der Stadt Vegesack im Rahmen ihres 125-jährigen Firmenjubiläums das letzte Grundstück.

Heutzutage besteht die Grünanlage des Stadtgartens Vegesack aus den Bereichen der Weserpromenade, ehemaliger Privatgärten am Fuß des Hanges und aus dem historisch gewachsenen Stadtgarten mit seinen Schmuckbeeten und Rosenhang. Die Promenade, die mit einer Doppelallee aus Kugelahornbäumen bepflanzt ist, verläuft parallel zur Weser, die bei Vegesack eine enge Kurve durchfließt. Dem Besucher bieten sich reizvolle Ausblicke: Schon aus der Ferne lässt sich der Schiffsverkehr von der Promenade beobachten oder man genießt den Ausblick von den Terrassen des Stadtgartens auf die Weser und umliegenden Grünflächen.

Ansicht Stadtgarten

Zum Seitenanfang