MARITIME MEILE
 KULTUR & GENUSS AM FLUSS

Die Maritime Meile ist natürlich auch geprägt durch die Geschichte Bremen-Nords bzw. der einzelnen Stadtteile in Bremen-Nord. Daher finden Sie im Folgenden einen ausführlichen Überblick über die geschichtliche, wirtschaftliche und architektonische Entwicklung Bremen-Nords und der Stadtteile entlang und um die Maritime Meile. Ein besonderer Augenmerk liegt auf der Schifffahrts-, Schiffsbau- und Fischereigeschichte.

Die drei Stadtteile, Vegesack, Blumenthal und Burglesum bilden heute den Stadtbezirk "Bremen-Nord". Der Begriff Bremen-Nord entstand erst nach 1939 mit der Einverleibung der bis dahin selbstständigen bremischen Stadt Vegesack und der preußischen Stadt Blumenthal sowie den Gemeinden Lesum, Grohn, Schönebeck, Aumund und Farge-Rekum in die Stadt Bremen.

Bereits im Mittelalter behandelte die Stadt Bremen die Region beiderseits der Unterweser als Interessengebiet. Neben der Versandung der Weser bedrohten die Anrainer den für Bremen wichtigen Schiffsverkehr auf der Weser. Daher war es Ziel des Bremer Rates, sein Einflussgebiet möglichst weit in Richtung Wesermündung auszudehnen, was am linken Weser-Ufer (Stedingen) misslang.

Am rechten Weserufer verlief die Politik erfolgreicher: 1436 kaufte die Stadt Bremen die im heutigen Stadtteil Blumenthal gelegene Wasserburg Blomendal. 1469 wurde das Gebiet nochmals um das Gericht Neuenkirchen in nördliche Richtung erweitert. Der Amtsbereich reichte damit von der Lesummündung (heute Vegesack) bis nach Neuenkirchen am Ende des Geestrückens der Bremer Schweiz.

Im Laufe der Jahre wechselte die Herrschaft im heutigen Bremen-Nord mehrfach. 1653 eroberte Schweden Blumenthal, Vegesack und Neuenkirchen. 1707 eroberte Dänemark das Herzogtum Bremen, so dass Vegesack und Blumenthal 1712 dänisch wurden. 1715 kaufte Kurhannover das Herzogtum Bremen von Dänemark ab. Während Vegesack 1803 wieder bremisch wurde, annektierte Preußen 1866 das Königreich Hannover und dessen Gebiete.

 

 

Geschichte Vegesacks

Die geschichtliche Entwicklung des Stadtteils Vegesack

Der Stadtteil Vegesack setzt sich zusammen aus den fünf 0rtsteilen: Vegesack, Grohn, Schönebeck, Aumund-Hammersbeck und Fähr-Lobbendorf. Jeder dieser Ortsteile weist eine reichhaltige Geschichte auf, die aber hier nur in Kurzform wiedergegeben werden kann.
 

Vegesack

Die Anfänge des Ortes lassen sich mit Sicherheit bis ins Jahr 1470 zurückverfolgen. Von 1619-1623 entstand der erste künstliche Hafen an der Weser, und was sich als rasch blühende Ortschaft um diesen Hafen entwickelte, erhielt seinen Namen von dem alten Krughaus "Thom Fegesacke", das schon um 1500 bestanden haben soll. Der Ort selbst war in den Wirren politischer Zeitläufe 1653 schwedisch, 1712 dänisch, 1715 bremisch, 1741 kurhannovers und erst 1804 endgültig bremisch. Schon im 17. Jahrhundert gilt der Ort auch als Schiffsbauplatz. Bis heute ist der Schiffbau hier noch zu Hause. Vegesack ist heute Zentrum für den gesamten Ortsamtsbereich und darüber hinaus Mittelzentrum für Bremen-Nord. Als Mittelpunkt ist der Sedanplatz zu sehen. Hier findet man einen großen Teil der Behörden und vor allem das seit 1977 bestehende Gustav-Heinemann-Bürgerhaus.

Von der Vegesacker Strandpromenade erlebt der Spaziergänger hautnah das Vorbeifahren der großen Seeschiffe, aber auch dem Fährverkehr nach Lemwerder und den vielen Freizeitskippern mit ihren Segel- und Motorbooten kann man zusehen.

Grohn

Die Chronik sagt, dass es um 1557 drei Höfe gab. Erst als die Bauern und Fischer zu Untergebenen der Herren von Schönebeck wurden, ist der Name des Ortes amtlich erwähnt. Die von der Borchs hatten die Gerichtsbarkeit vom Freien Damm bis an die Lesum, sie gewährten auch das Erbfischerrecht. Die Herrschaft der Grafen wurde erst von den Franzosen 1812 aufgehoben. Die Grenze nach Vegesack war die Aue am "alten Deep" und nach Aumund wurde 1778 eine einfache Holzbrücke über die Aue gelegt. Die Wiesen und das bewachsene Neuland unter dem Oeversberg bezeichnete man als "Grohden". Daraus entstand der seit 1861 amtliche Namen "Grohn". Es wurde überwiegend Fischerei betrieben. Beim Löschplatz am alten Deep legten die vielen Torfkähne an.
Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch die Industrieansiedlung das Gesicht von Grohn entscheidend verändert. Es entstanden die Tauwerkfabrik und die Steingutfabrik.
Vom Wasser aus bietet sich ein herrliches Bild des hohen Ufers. Heute wird das Gesicht Grohns überwiegend von Einfamilienhäusern bestimmt, die einen kleinen Garten gleich vor der Tür haben.

Schönebeck

Schönebeck gehört zu den lieblichsten Teilen der Bremer Schweiz, weshalb es auch den Herren von Oumünde und später von der Borch als Wohnsitz diente, die hier das Schönebecker Schloß errichteten. In diesem Schloß befindet sich jetzt ein Heimatmuseum. Der Ort hat seinen Namen von "Schöne-Beeke", das heißt soviel wie "schöner Bach". Die größten Grundbesitzer, die Ritter von der Borch, übten eine große Macht aus und verlangten von den Bauern unzumutbare Abgaben. Ihr Einfluß reichte vom Freien Damm, wo die Meier wohnten, bis zur Borchshöhe, Vegesacker Aue, Grohn und bis zu den Erbfischern der Lesum. Obwohl heute eine umfangreiche Bebauung vorliegt, hat Schönebeck nichts von seinem Reiz verloren. Das Auetal gilt als ein gern angenommenes Naherholungsgebiet.

Aumund-Hammersbeck

Zu den wichtigsten Rittern des Erzstiftes gehörten die Ministerialen von Oumünde. Der erste Diedrich wird 1144 genannt, und noch1422 hat hier ein Herr von Oumünde gelebt. Durch die Machteinflüsse dieser Ritter gab es in Aumund-Hammersbeck ähnliche Belastungen wie in den Nachbarorten.

Die älteste Ortschaft ist Aumund. Dieser sehr ausgedehnte Bereich war überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Später erfolgten Industrieansiedlung und Handwerksbetriebe. Die Borchshöhe als Übergang zur Bremer Schweiz ist reich an Baumbestand. Ziegelei, Holzhandel, Zigarrenfabrik boten der rasch anwachsenden Bevölkerung Arbeitsmöglichkeiten.
Die Ortschaft Hammersbeck wird zum ersten Mal 1581 als "Amelsbäke" genannt. Der Name entstand aus dem durch fließenden Bach "Becke" und aller Wahrscheinlichkeit nach von einer alten Hofstelle, auf der ein Ostfriese mit Namen Hamer gewohnt hat. Die Gegend an der Becke wurde schon sehr früh besiedelt.

Fähr-Lobbendorf

Dieser Ortsteil liegt zwischen Vegesack und Blumenthal und läßt sich auch zumindest bis Anfang des 15. Jahrhunderts nachverfolgen. Geprägt wurde er derzeit vornehmlich durch den Fährgrund. Es war eine tiefe Schlucht, deren Grundwasser einen Fahrweg zur Weser bot. Die Schlucht war 800 m lang, 30 m breit und 15 m tief. Nachweislich gab es dort schon 1399 eine Fähre. Der Weg nach Blumenthal führte nördlich um dieses Wasser herum. Nach Vegesack wurde erst 1800 eine lange Holzbrücke zur Verbindung der heutigen Gerhard-Rohlfs-Straße und der Lindenstraße errichtet. Der Grund wurde im Lauf der Jahre zugeschüttet und war damit lange Zeit ein übler Abfallplatz.
Der Ortsteil müsste eigentlich weltberühmt sein, denn seit ca. 1895 befand sich hier an der Weser der Bremer Vulkan, eine der größten Werften Deutschlands. Ein großer Teil der Arbeiterschaft wohnte auch in unmittelbarer Nähe. Die Werft musste 1996 schließen. Heute ist der Fährgrund mit seinen Grünanlagen und den gepflegten Häusern ein erfreulicher Anblick. 

Quelle: Ortsamt Vegesack

 

 

Zeittafel: Vegesacks Geschichte

1453    Erste schriftliche Erwähnung
1621    Bau des ersten künstlichen Hafens an der Weser durch Bremer Kaufleute und Reeder
1741    Das Dorf Vegesack kommt zum Königreich Hannover, Hafen und Havenhaus bleiben bremisch
1803    Vegesack wird wieder ganz bremisch
1812    Vegesack hat 1.379 Einwohner_Innen
1821    Bau der Vegesacker Kirche
1830    Walfang und Schiffbau (Sager, Lange ,Ulrich)
1863    Eisenbahnlinie Bremen-Vegesack
1870    Erste Krise im Schiffbau (Umstellung auf Eisen und Dampf bereitet Schwierigkeiten)
1891    Gas-, Wasserwerk, Kanalisation
1893    Gründung „Bremer Vulkan“
1895    Gründung „Bremen-Vegesacker-Fischerei-Gesellschaft“
1905    Vegesack hat 4.133 Einwohner_Innen
1936    Bau der Kaserne Grohn
1939    Eingemeindung nach Bremen
1945    Kaum Kriegszerstörungen
1960    Vegesack hat 35.193 Einwohner_Innen
1972    Bau der Hochhaussiedlung „Grohner Düne“
1985    Abschluss der Sanierung des Mittelzentrums/Fußgängerzone
1996    Konkurs „Bremer Vulkan“
2001    Eröffnung der International University/Jacobs University Bremen
2002    Eröffnung Haven Höövt/neuer Hafen
2009    Ausbau Alter Speicher, Speicherplatz
(Quelle: Ch. Steuer, Stand 14.1.10)

 

Berühmte Vegesacker

Neben dem legendären Vegesacker Jung` und den Werftbesitzern Johann Lange und seiner Frau Anna, sind dies Albrecht Roth, ein Arzt und Botaniker (1757 -1834, der Gründer des Stadtgartens und Verfasser bekannter botanischer Werke) sowie Gerhard Rohlfs (1831 – 1896, ein draufgängerischer, aber auch etwas eigenwilliger Afrikaforscher, der es zum Konsul in Sansibar brachte), nicht zu vergessen Adolph Bermpol (Navigationslehrer in Vegesack), der 1860 mit dem Vegesacker Advokaten C. Kuhlmay dazu aufrief, Rettungsstationen an der Nordsee einzurichten; damit wurde er zum Initiator der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger DGzRS, mit heutigem Hauptsitz in Bremen.
(Quelle: Ch. Steuer in " UNTERWESER  aktuell ", Bordzeitung der Hal över-Schiffe, April 2011)

Stapellauf der Brigg „Emmy“ auf der Lange-Werft, Ölbild, unsigniert, um 1835,
Museum Schloss Schönebeck

 

 

Ein "großer Pott" zieht an der Strandpromenade vorbei

 

 

Gegenwart

Vegesack

Der Stadtteil Vegesack erstreckt sich auf eine Fläche von insgesamt 11,86 km. Die Einwohnerzahl Vegesacks beträgt ca. 35.000 (vgl. Ortsamt Vegesack).
Das Zentrum des Stadtteils bildet der Vegesacker Hafen, der heute als Museums- und Sportboothafen genutzt wird. Stromabwärts befindet sich der Vegesack Stadtgarten an der Maritimen Meile mit direktem Blick auf die Weser. Parallel verläuft die Einkaufsmeile des Stadtteils. Vegesack ist der maritimste Stadtteil Bremens. Neben ehemaligen Kapitäns- und Kaufmannsvillen finden sich hier auch Quartiere für die einfache Bevölkerung. Der Stadtteil ist bis in die 2000er Jahre hinein stark vom Schiffbau u. a. mit der ansässigen Vulkan-Werft geprägt gewesen. Nach dem Niedergang der Norddeutschen Werftenindustrie haben neue Entwicklungen Einzug in den Stadtteil erhalten und ihm ein neues Gesicht gegeben. So wurde in dem Stadtteil die Private Jakobs Universität angesiedelt. Vegesack setzt heute auf sanften Tourismus im maritimen Bereich und will sich weiter als Bildungsstandort etablieren. 

 

Bremen-Vegesack Tourismus

Zeit für Erlebnisse! In Vegesack ist Seefahrer-Geschichte quicklebendig. Etwa 20 Kilometer von der City entfernt, zeigt dieser Stadtteil im Bremer Norden seine maritime Seite in vielen Facetten. Von hier aus starteten in vergangenen Zeiten die Walfänger in Richtung Grönland, hier lief 1816 der erste Dampfer, der auf einer deutschen Werft erbaut wurde, vom Stapel. Liebevoll restaurierte Traditionsschiffe im „Museumshaven“ sowie alte Kapitäns- und Packhäuser zeugen von dieser Vergangenheit.  Ein Vegesacker „Herzstück“ ist die Maritime Meile entlang der Weser. Dazu gehört auch der Stadtgarten: Mit vielen exotischen Pflanzen aus aller Welt lädt er zum Schauen, Staunen und Entspannen ein. Gut möglich, dass dabei ein Ozeanriese,  zum Anfassen nah, vorüber zieht. Und wer einmal wie ein Seemann übernachten möchte: In der Nähe des Vegesacker Hafens liegt der Großsegler „Schulschiff Deutschland“, dessen urige Kojen ganzjährig gebucht werden können.
(Von: Artischocke Medien & Marketing, Eva Riemann)

Der Museumshafen in Vegesack

 

 

Schulschiff Deutschland

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