MARITIME MEILE
 KULTUR & GENUSS AM FLUSS

Das Overbeck-Museum ist das einzige Museum in Bremen, das sich einem der fünf Gründungsväter der Künstlerkolonie Worpswede widmet – dem Maler Fritz Overbeck. Die Ausstellungsstätte im denkmalgeschützten Alten Packhaus Vegesack betreut den Nachlass des Malers sowie den seiner Frau und Kollegin, der Künstlerin Hermine Overbeck-Rohte. Gegründet wurde das Museum 1990 von der Enkelin des Malerpaars, Gertrud Overbeck. Seit über 20 Jahren zeigt das Haus die Werke der beiden Worpsweder Künstler in wechselnder Auswahl. Erfolgreiche Retrospektiven zum Werk Fritz und Hermine Overbecks bescherten dem Overbeck-Museum in den letzen Jahren auch bundesweit Aufmerksamkeit. Sonderausstellungen greifen verwandte Themen auf, etwa Landschaftsmalerei oder Kunst aus Worpswede. Auch zeitgenössischen Künstlern bietet das Haus dabei ein Forum. Führungen, Vorträge, Kunstreisen oder Lesungen ergänzen und vertiefen das Programm.

Fritz Overbeck  (1869 – 1909) hat zusammen mit Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende und Heinrich Vogeler den Ruhm des Künstlerdorfs am Weyerberg begründet, der bis in die Gegenwart ausstrahlt. Seit dem großen Ausstellungserfolg 1895 im Münchener Glaspalast, der der Gruppe international Anerkennung brachte, zählten die Mitglieder der Worpsweder Vereinigung zu den bekanntesten Malern in Deutschland, und die Künstlerkolonie im Teufelsmoor wurde zum Inbegriff naturalistischer Landschaftsmalerei.

Die Werke der frühen Worpsweder zeichnen sich vor allem durch stimmungsvolle Naturansichten aus. In Nachfolge der Künstlerkolonien von Barbizon oder Dachau wandten sich die jungen Maler von der künstlichen Landschaftsauffassung des Akademiebetriebs ab, um direkt vor der Natur unter freiem Himmel zu malen. Sie trafen damit den Nerv der Zeit: Als Gegenbewegung zu der um sich greifenden Industrialisierung spiegelten ihre Bilder die Sehnsucht der Stadtbevölkerung nach einem ungebrochenen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur wider. Die karge Moorlandschaft mit ihrer weiten Ebene und dem sich über alles spannenden hohen Himmel wurde zum beliebtesten Motiv der Worpsweder Maler, dem sie sich in immer neuer Weise – mal verträumt-romantisch, mal sachlich-detailliert – annäherten.

Fritz Overbeck hatte sich 1894 in Worpswede niedergelassen. Er wurde 1869 als Sohn des ersten Technischen Direktors des norddeutschen Lloyd in Bremen geboren, aber erst Otto Modersohn machte ihn 1892 mit Worpswede bekannt, und von da an ließ ihn die Begeisterung für die reizvolle Moorlandschaft nicht mehr los. Bei einer Ausstellung im Münchener Glaspalast 1896 entdeckte die junge Kunststudentin Hermine Rohte das erste Mal einige Bilder von Fritz Overbeck. Sie war so angetan von seinen Arbeiten, dass sie kurzentschlossen nach Worpswede zog und seine Schülerin wurde. Bereits im Herbst 1896 verlobten sich die beiden Künstler und heirateten ein Jahr später. 1898 wurde der Sohn Fritz Theodor geboren, 1903 die Tochter Gerda.

Die Familie lebte bis 1905 in Worpswede und siedelt dann nach Bröcken bei Vegesack über. Vegesack reizte Fritz Overbeck durch eine neue Motivwelt: Hier und auf seinen Reisen nach Sylt, in die Rhön und nach Davos blieb der Künstler der Landschaftsmalerei treu, seine Werke zeigen aber eine deutlich realistischere Prägung als die eher lyrischen frühen Worpsweder Arbeiten. Auch beginnt er, mit Maltechniken zu experimentieren. Seine Bilder tragen Spuren der Auseinandersetzung mit den Impressionisten, Pointillisten oder Expressionisten, sodass Overbeck heute als der fortschrittlichste Vertreter aus der Worpsweder Gründergeneration gilt. 1909 bricht seine Laufbahn unerwartet ab: Im Alter von nur 39 Jahren stirbt Fritz Overbeck überraschend an einem Hirnschlag.


Hermine Overbeck-Rohte (1869 – 1937) hat sich nach dem frühen Tod Fritz Overbecks für das Andenken ihres Mannes eingesetzt. Sie organisierte Ausstellungen seiner Bilder und nahm sich dabei selbst künstlerisch zurück. Ihre eigenen Werke hat sie zu Lebzeiten nie öffentlich gezeigt. Sogar ihre Kinder kannten ihre Bilder kaum und waren überrascht, als man nach ihrem Tod über 200 Studien im Atelier ihres Mannes fand. Obwohl sie sich zeitlebens als Schülerin Fritz Overbecks empfand, hat Hermine Overbeck-Rohte in ihrem Werk deutlich eigene Akzente gesetzt und mit originellen Bildausschnitten, lockerem Pinselstrich und einer eigenständigen Farbauffassung immer wieder ihre Modernität unter Beweis gestellt. Die Erlaubnis, an der Damenakademie in München Kunst studieren zu dürfen, hatte sie sich erst erkämpfen müssen. Doch die ehrgeizige Künstlerin setzte sich durch und ließ sich nicht nur zur Malerin, sondern auch zur Fotografin ausbilden. Die Ausstellung im Overbeck-Museum macht ihr reiches Werk erstmals öffentlich zugänglich. In der Zusammenschau mit den Bildern ihres Mannes bietet das Haus einen umfassenden Einblick in das Schaffen dieses Malerehepaares und zeigt, wie aktuell die Kunst der Worpsweder auch heute noch ist.

Ausstellungssaal im Overbeck-Museum

 

Fritz Overbeck: Abend im Moor, ÖL/Lwd., 1996

 

Hermine Overbeck-Rohte, Trocknende Wäsche

 

Fritz Overbeck, Birken vorm Kornfeld

 

Fritz Overbeck, Morgen am Strande

 

Hermine Overbeck-Rohte, Narzissen in brauner Glasvase

 

Kontakt

Overbeck-Museum
Leitung: Dr. Katja Pourshirazi
Altes Packhaus Vegesack
Alte Hafenstraße 30
28757 Bremen

Telefon 0421 - 663 665
Fax 0421 - 247 61 47

info@overbeck-museum.de
www.overbeck-museum.de

Öffnungszeiten:

tägl. außer montags 11-18 Uhr

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